Macht Lernen Spaß?

Die Antworten, die ich auf diese Frage bekomme, könnten unterschiedlicher kaum sein. Da gibt es die Zertifikate-Sammler, die die Ergebnisse ihres Lernens wie Trophäen von erlegtem Wild an der Wand platzieren. Es gibt die Menschen, die bereits alles wissen, am besten besser, und die das als gute Begründung nehmen, nichts lernen zu brauchen. Andere berichten mir von einer ungebildeten Jugend (früher war natürlich alles besser), dass moderne Medien niemals Schulbücher ersetzen dürften, während wieder andere, genau zu wissen behaupten, dass erst YouTube uns zur leichten Wissensvermittlung durchdringen lässt.

Lernen ist immer schon Bestandteil der Welt gewesen, immer schon überlebenswichtig, immer schon zukunftsbestimmend. So ist in der heutigen Zeit Fachwissen ein Produkt geworden, das, wenn es knapp verfügbar und gleichzeitig notwendig ist, ein hochpreisiges Produkt sein kann.

Aber was ist eigentlich Lernen? – Wie funktioniert es und warum hat es in unserer Welt die oben skizzierte Bedeutung?

Wie gewohnt schauen wir erstmal in die Wiki-Definition, den heiligen Gral aller Wissenskonserven:

Unter Lernen versteht man den absichtlichen (intentionales Lernen) und den beiläufigen (inzidentelles und implizites Lernen) Erwerb von Fertigkeiten. Der Lernzuwachs kann sich auf geistigem, körperlichem, charakterlichem oder sozialem Gebiet ereignen. Aus lernpsychologischer Sicht wird Lernen als ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens oder Fühlens aufgrund von Erfahrung oder neu gewonnenen Einsichten und des Verständnisses (verarbeiteter Wahrnehmung der Umwelt oder Bewusstwerdung eigener Regungen) aufgefasst.

Lesen – ein klassischer Weg der Wissensakquise

Als Grundlage ist diese Definition gut anwendbar und wird mir von anderen Menschen, so sie die benutzen Worte verstehen, auch grundsätzlich bestätigt. Allerdings stelle ich fest, dass zu mindestens umgangssprachlich “Lernen” mit “Etwas Lernen” gleichgesetzt wird. Und wir bei unseren Mitmenschen manchmal einfach das “Wissen” vermissen, das zum gemeinsamen Verständnis wichtig wäre, um gemeinsame Entscheidungen treffen zu können. Was mir ist in diesem Zusammenhang also fehlt ist das Wissen. Es spielt eine große Rolle, besonders dann, wenn Lernen nicht über das Experimentieren geschieht, sondern als informative Akquisition verstanden wird.

Noch eine Definition aus Wikipedia:

Als Wissen wird üblicherweise ein für Personen oder Gruppen verfügbarer Bestand von Fakten, Theorien und Regeln verstanden, die sich durch den höchstmöglichen Grad an Gewissheit auszeichnen, so dass von ihrer Gültigkeit bzw. Wahrheit ausgegangen wird. Wissen beziehungsweise dessen Speicherung gilt als Kulturgut.

Aber basiert alles Lernen auf Wissen? Nehmen wir an, du hättest einen Unfall gehabt und wüsstest im Moment nicht mehr, wie du laufen sollst. Dein Beine könnten es, aber du nicht. Ich habe von Menschen gehört, die so etwas erlebt haben und mir ihre Erfahrungen dramatisch beschrieben haben (hier ein Beispiel).

Warum so ein dramatisches Beispiel?

An diesem Beispiel lässt sich  erkennen, wie sehr uns das gemeinsame Lernen stützt und, dass Wissen nicht nur in Büchern steht.

Wenn wir Kinder heranreifen sehen, haben wir gelernt, was sie alles brauchen, um die Möglichkeiten eines menschlichen Körpers voll entwickeln zu können. Dazu gehören Berührung, Ansprache, Geräusche, Sehen und gesehen werden und vieles andere.

Fällt eine dieser Inspirationen weg, z.B. das Sehen, muss der Lernprozess ganz anders geführt werden. Auch hier ein Beispiel, eine Erklärungsseite mit Tipps für Eltern blinder Kinder.

Lernen ist also tatsächlich überleben und Kinder lernen in ihren ersten Jahren im Turbo-Modus. Alles, was sie wahrnehmen, wird verarbeitet und Stück für Stück in ein eigenes Bild von Leben verwandelt. Ein atemberaubender Vorgang, von dem wir nur weniges mitbekommen, besonders die Dinge, die wir Fertigkeiten nennen. “Schau mal, sie hebt den Kopf”, “Schau mal, er stellt sich hin”. Wow, das erste Mal ist immer gigantisch.

Wenn du das etwas tiefer verinnerlichen möchtest: Reinhard Mey hat dazu ein unglaublich schönes Lied geschrieben. Hör doch mal rein.

Das erste Mal hat immer etwas von “Auspacken eines großen Geschenkes”. Als Kind macht man das ganz natürlich. Und aus einem bisher kaum bekannten Grund, haben die meisten Kinder dieses unglaubliche Geschick, alles ganz allein zu können oder zumindest allein können zu wollen: “Leine machen!”. Auch das Kind weiß nicht, warum, aber es funktioniert.

Die Leichtigkeit des Lernens

Irgendwann scheint diese Leichtigkeit des Lernens zu verschwinden. Der Vorrat an Dingen, die man so ohne weitere Wissensakquise lernen kann, scheint begrenzt. Ab hier bringen wir die Sprache ins Spiel. Anfangs wird die Sprache selbst entwickelt, mit eigenen Worten. Bald beginnen wir auch, mit dieser wundervollen menschlichen Option Geschichten zu erzählen, die immer klarer verstehbar für die anderen Menschen werden.

Geschichten öffnen uns den Blick auf Dinge, die in unserer Welt auf irgendeinem Wege zum Wissen geworden sind. Haben wir Anfangs noch dem Kind einfach gezeigt, wie man einen Löffel benutzt, so fangen wir jetzt an, ihm die “Löffel” dieser Welt zu beschreiben. Das Kind, sieht, versteht, fängt an zu üben und irgendwann kommt das “Ich kann!” oder “Ich weiß!”. Eine neue Fertigkeit bzw. Erkenntnis ist geboren. Dieser Weg ist für einfache Prozesse gut zu gehen. Wir haben Schulen entworfen, in denen Kinder alles lernen sollen, was zum Leben aus unserer Sicht eine gute Voraussetzung darstellt. Und hier fangen die Herausforderungen an.

Wieviel mussten wir vor 500 Jahren in diesem Sinne lernen? Ein Handwerk vielleicht und ein bisschen mehr. Damit ging Leben schon ganz gut. Nun, es wurde schon damals viel per Sprache gelernt und durch Geschichten überliefert, aber auch viel durch Abgucken. Heute müssen wir uns allerdings in die Epidemiologie einarbeiten und Freizeit-Virologe werden, um adäquat am Leben teilnehmen zu können. Wir haben ein Internet, in dem wir alles nachlesen können, und müssen aus unserem bisherigen Wissen auch noch beurteilen können, welchem Wissen wir trauen sollten. Spätestens jetzt haben wir ein Schnittstellen-Problem.

Die Schnittstelle Rationalität

Folgende Situation. Du möchtest gerne mit einem Freund ein Thema diskutieren das dir wirklich am Herzen liegt. Als du anfängst, deine Herausforderung zu beschreiben, fällt dir auf, dass er bei weitem nicht so tief im Thema ist, wie du selbst. Von daher sind seine Ideen für dich zunächst kaum anwendbar. Jetzt versuchst du schnell, ihn auf Stand zu bringen. Ist die Kenntnis-Differenz nur klein, wird dir das gelingen. Andernfalls wirst du in seinen Augen irgendwann sehen, dass er unter akuter Kommunikationsverstopfung leidet.

Die Schnittstelle “Sinnesorgan-> Neo-Kortex-Verarbeitung -> emotionale Speicherung” ist überlastet. Im Allgemeinen hat sie eine Bandbreite von 40bit/sec, bei manchen etwas mehr, bei manchen auch deutlich weniger, auch abhängig davon, wie viele von den möglichen sieben parallelen Datenleitungen/Prozessoren besetzt sind mit anderen Vorgängen.

Das ist dann auch der Grund, warum wir uns Methoden zugelegt haben, uns mehr Zeit zu geben, um Wissen aufzunehmen und zu verarbeiten und gern mit Wiederholungen arbeiten. All unsere Abstimmungsprozesse sind auf diesen Flaschenhals eingestellt. Unsere Art, Teams zu bilden, genauso wie unsere Art, uns zu verabreden und Entscheidungen zu treffen, müssen diesem Umstand Tribut zollen. Letztlich haben wir genau aus diesem Grund den Computer erfunden, um diesen Engpass zu überbrücken.

Unsere emotionale Schnittstelle hingegen könnte durchaus mehr. Sie verarbeitet ein Vielfaches. Vorstellbar vielleicht wie der Unterschied, wenn du ein Textdokument herunterlädst oder einen Film. Emotional verarbeiten wir mehrere Megabyte pro Sekunde. Genau ist die Bandbreite im menschlichen System noch nicht untersucht aber der Unterschied ist gigantisch und findet sich auch in bisherigen Beobachtungen wieder: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, Ein Gefühl sagt mehr als 1000 Worte. Auch wenn das natürlich keine präzisen Zahlen sind, aber zusammen wären wir beim Faktor 1 Million. Und nun erinnere ich mich an die Lerndynamik von kleinen Kindern.

Lernen – ein lebenslanger, planungsfreier Prozess

Angenommen wir wüssten, woher das Wissen kommt, was Kinder und genauso Tiere von Geburt an in sich tragen – das sie nur noch “entpacken” müssen, um zu laufen (Fluchttiere unfassbarerweise unmittelbar nach der Geburt), zu krabbeln, sich zu freuen, traurig zu sein, etwas zu begreifen, Sprache zu imitieren und kurz darauf zu verstehen usw. usw. Wenn wir wüssten, wie sie an diesen Informationen kommen, könnten wir dann auf gleichem Wege die Informationen an das Kind übergeben, oder an den Jugendlichen oder den Erwachsenen? Könnten Menschen vielleicht sogar lebenslang in diesem Ultra-Modus lernen?

Wenn es so wäre, dann bräuchten wir jetzt definitiv nicht an USB-Schnittstellen für menschliche Gehirne zu forschen. Jede elektronische Schnittstelle wäre dann den natürlichen Optionen weit unterlegen. Der Umstand, dass du auf dieser Seite gerade liest, bedeutet für dich, dass du einer Lösung bereits sehr nahe bist.

Diese Lösung heißt Theta Learning. Wir haben das Erbe anderer Lernentwicklungsforschungen angetreten und haben einen Prozess beschrieben, der das natürliche Lernen auf Lebenszeit zurückholt und das Wissen aus allen Engpässen befreit.

Willst du mehr darüber erfahren?

Die neuesten Infos gibt es unter t.me/theta_learning